Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V., Wiesbaden, Deutschland - Mai 2008
FRAGEN:
1. Die Bedeutung von körperlicher Bewegung im Bezug auf Lernen und Entwicklung steht im Mittelpunkt Ihrer Arbeit. Warum ist die Bewegung für Kinder wie auch für Erwachsene so wichtig?
2. Was bewirkt Bewegung für welche Körperteile?
3. Und welche Auswirkungen hat Bewegungsmangel?
4. Vor allem Schüler und Studenten, aber auch alle Berufstätigen, die am Schreibtisch arbeiten, sitzen die meiste Zeit des Tages. Welche Folgen könnten „falsche“ Stühle für die Gesundheit haben?
5. Was zeichnet einen Ihrer Meinung nach guten Stuhl aus?
6. Was für Effekte auf den Körper bewirken Stühle, die verschiedene Sitzpositionen ermöglichen?
7. Welches sind die wichtigsten Sitzpositionen, die ein Arbeitsstuhl ermöglichen sollte?
8. Stimmt es, dass die Bewegung beim Sitzen eine zentrale Rolle für unsere Gehirnfunktionen spielt? Und weiterführend für die Motivation beim Lernen?
9. Gibt es einige konkrete Grundsätze bezüglich der Gesundheit, die jeder beim Sitzen beachten sollte?
10. Können die richtigen Stühle dazu beitragen, dass Haltungsschäden bei Kindern vermieden werden, dass Rückenschmerzen im Allgemeinen vermieden werden?
ANTWORTEN:
1. Die Bedeutung von körperlicher Bewegung im Bezug auf Lernen und Entwicklung steht im Mittelpunkt Ihrer Arbeit. Warum ist die Bewegung für Kinder wie auch für Erwachsene so wichtig?
Für die meisten Erwachsenen ist Gesundheit, Fitness sowie einen schlanken Körper zu besitzen ein wichtiger Beweggrund für Bewegung und Sport. Für Kinder sind diese Attribute keine Triebfeder. Sie bewegen sich aus dem einfachen Grund, weil sie Freude, Spaß und Lust dabei erfahren wollen. Ganz nebenbei tragen sie damit zu einer ausgewogene Entwicklung von Körper, Geist und Seele bei.
Es liegt grundsätzlich in der Natur des Kindes sich zu bewegen. Hierzu zählen insbesondere Grundtätigkeiten wie rennen, laufen, springen, hangeln, klettern, balancieren etc. Diese Grundtätigkeiten sind per se erst einmal höher einzustufen als einseitige sportliche Betätigungen.
Ohne diese natürliche Anlage zur Bewegung ist eine Entwicklung vom unselbständigen Säugling zu einer selbständigen, selbstbewussten und gesunden erwachsenen Persönlichkeit nur unzureichend möglich. Dabei spielen gerade die Bewegungserfahrungen und die Bewegungsmöglichkeiten in den ersten 11 bis 12 Lebensjahren eine besondere Bedeutung. Die hier erworbenen Qualitäten stellen bereits die Grundlage für das Erwachsenenalter.
Bewegung kann somit als Grundprinzip eines sich körperlich sowie geistig und seelisch entwickelnden Lebens angesehen werden. Für Kinder ist eine tägliche Bewegungszeit von zwei Stunden täglich als Minimum zu betrachten.
Von diesem intrinsisch motivierten Bewegungsverhalten der Kinder sollte der Erwachsene lernen. Sich vielseitig auf natürliche Art mit Freude und mit Freunden ohne Zwang zu bewegen - ohne zu starke sportliche oder fitnessbesetzte Ambitionen zu verfolgen - wie z. B. Treppen steigen, Fahrrad fahren, Spazieren gehen, schwimmen aber auch moderat betriebene Freizeitsportarten tragen zu einem ausgewogenen körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefinden bei. Eine Stunde pro Tag sollte für den Erwachsenen das Ziel sein.
2. Was bewirkt Bewegung für welche Körperteile?
„Die Struktur und die Leistungsfähigkeit eines Organs ist nicht nur abhängig von seinem Erbgut, sondern vor allem auch von der Qualität und Quantität seiner Beanspruchung“.
Diese Aussage hat der wohl bekannteste deutsche Sportmediziner und Gesundheitsforscher, Herr Prof. Dr. W. Hollmann, getätigt. Dies besagt, dass wir Menschen auch heutzutage noch das Erbgut des „Sammlers und Jägers“ in uns tragen. Vor noch nicht allzu langer Zeit vollbrachten die Menschen Tag für Tag athletische Höchstleistungen, wenn sie Nahrung suchten, wilden Tieren nachstellten oder Unterkünfte bauten. Sitzend hätte der Mensch wohl in der Vergangenheit kaum sein Überleben garantieren können. So entstand im Laufe der Jahre ein Rüstzeug, das immer weiter vererbt wurde. Es bürgt für optimale Abläufe im Körper - aber eben nur, solange ein Individuum sich regelmäßig (täglich mehrere Kilometer) bewegt.
Hinsichtlich unserer heranwachsenden Generation gilt deshalb beachten, dass ihre Organe, wie die Muskulatur, das Nervensystem, das Knochen- und Herz- Kreislaufsystem nicht mit dem Tag der Geburt in voller Qualität vorhanden sind. Diese reifen zwar nach einem festgelegten genetischen Plan. Die Qualität ihrer Entwicklung und damit auch die ihrer Funktionstüchtigkeit/Leistungsfähigkeit hängt wiederum von dem Maß der körperlichen Beanspruchung ab. So wird zwar im Laufe des Heranwachsens ein Muskel in seiner Länge und Breite zunehmen (Reifung), inwieweit aber dieser Muskel seine ihm zugedachten Aufgaben qualitativ gerecht werden kann, wie z. B. den Körper gegen die Anziehungskraft der Erde aktiv aufzurichten (gesunde Haltungsentwicklung) oder ihn im Zusammenspiel mit anderen Muskeln zielgerichtet zu bewegen, das wiederum hängt davon ab, ob er ausreichend Reize erhält, wie dies z. B. beim Klettern, Hängen oder Hangeln der Fall ist. Ebenso muss das Herz-Kreislauf-Atemsystem ausdauernden Belastungen ausgesetzt sein wie beispielsweise beim längeren laufen, toben oder schwimmen. Die Hirnreifung wird primär durch komplexe Bewegungen wie beim balancieren oder jonglieren in ihrer Entwicklung unterstützt. Was für den Heranwachsenden für den Aufbau seiner organischen Funktionen wichtig ist, ist für den Erwachsenen für den Erhalt von Bedeutung. Deswegen sollten längere passive und statische Sitzzeiten vermieden werden.
Der Heranwachsende braucht zum Aufbau seiner Gesundheit mehr Bewegung als der Erwachsenen zum Erhalt der Gesundheit!
3. Und welche Auswirkungen hat Bewegungsmangel?
Das senso-neuro-muskuläre und skelettale System ist seit Jahrmillionen von Jahren auf Gehen, Klettern, Hangeln sowie auf diverse Wechselhaltungen wie Liegen oder Kauern auf dem Boden trainiert (siehe auch 2). Deswegen funktionieren auch all unsere Organe nur, wenn dieses Grundprinzip nicht ständig missachtet wird. Bewegungsmangel sowie schulische als auch berufliche Arbeitsplatzanforderungen mit überwiegend sitzender Tätigkeit und den damit häufig in Verbindung stehenden statisch-passiven Belastungen sind in unserer Genetik noch ebenso wenig eingepreist wie einseitige repetitive motorische Abläufe.
Die Folge: die Leistungsfähigkeit unserer Organsysteme nimmt deutlich ab und die so genannten Bewegungsmangelkrankheiten beeinträchtigen z. T. sehr schmerzlich unsere Lebensqualität.
Pointiert formuliert „bewegt“ der Mensch sich von Kindesbeinen an schleichend in eine (Sitz-) Trägheitsfalle mit weit reichenden Folgen, die wir Zivilisationskrankheiten nennen oder anders formuliert:
„das Blut staut sich in seinen Blutgefäßen,
das Kalzium schwindet aus seinen Knochen,
der Geist weicht aus seinem Gehirn,
die Fäkalien türmen sich in seinem Darm,
das Fleisch verfault an seinem Hintern,
der Lebensmut weicht aus seiner Seele“.
4. Vor allem Schüler und Studenten, aber auch alle Berufstätigen, die am Schreibtisch arbeiten, sitzen die meiste Zeit des Tages. Welche Folgen könnten „falsche“ Stühle für die Gesundheit haben?
Für den Sitzberufler von heute - und dazu zählen auch schon die Schulkinder – stellt einerseits die Zeitdauer des Sitzens sowie andererseits die das menschliche Bedürfnis nach Bewegung blockierende Sitzphilosophie ein gesundheitliches Problem größeren Ausmaßes dar.
Die üblicherweise mit einem rechwinkeligen Hüftknick geforderte aufrechte, lendenlordosengestützte Sitzhaltung auf dafür normierten Stühlen weist zwei entscheidende Fehler auf: Erstens kann man aus dieser hinteren Sitzhaltung heraus nicht vernünftig Tätigkeiten an einem Tisch nachgehen. Zweitens geht sie vom Grundgedanken einer statisch-passiv verstandenen Entlastung der Wirbelsäule bzw. des Rückens aus, indem die Rückenlehne möglichst die ihr zugedachte Aufgabe einer (Beckenkamm-) Rückenstütze übernimmt. Diese auf einem pathogenetischen Gesundheitsdenken basierende Sitzphilosophie zwingt den Menschen geradezu in eine statisch passive Sitzhaltung. Die natürlich-dynamischen Mechanismen des menschlichen Organismus können nicht längere Zeit in einer statischen Position - gekipptes und fixiertes Becken bei aufrechter Sitzhaltung - verharren. Diese rein mechanische Sichtweise vergisst, dass die menschliche (Sitz-) Haltung nur bei tiefer Bewusstlosigkeit unverändert, ansonsten aber die (Sitz-) Haltung das momentane Ergebnis einer ständigen Bewegung ist. Wird Haltung, auch die Sitzhaltung, als statische Komponente dem dynamischen Geschehen der Bewegung gegenübergestellt, erfolgt damit eine unzulässige Reduzierung. Haltung und Bewegung sind nicht - wie vielfach missverstanden - Gegensätze im Sinne von Statik und Dynamik, sondern müssen als Einheit betrachtet werden. Bewegung ist ohne die stabilisierenden Elemente der haltungssichernden Systeme des Organismus nicht denkbar. Demgegenüber ist Haltung nie etwas Starres. Jede Körperhaltung wird fortlaufend durch eine Vielzahl differenzierter Bewegungsimpulse stabilisiert: Haltung ist Bewegung! Das impliziert auch die Sitzhaltung.
Missachtet man diese haltungsphysiologische Gesetzmäßigkeit kommt es aufgrund der statischen Sitzhaltung schon nach kurzer Zeit zu einem unausweichlichen „In-Sich-Zusammensacken" der sehr beweglich aufgebauten Körpersegmente. Da hilft auch nur bedingt eine als „dynamisches Sitzen“ beworbene Synchronmechanik, die zwar die Hüftgelenke bewegt aber nicht die komplexen Strukturen der Wirbelsäule.
5. Was zeichnet einen Ihrer Meinung nach guten Stuhl aus?
Im Mittelpunkt der ergonomischen Anforderungen an einen Arbeitsstuhl standen bisher anthropometrische Kriterien, die beispielsweise Sitzhöhe, Sitztiefe, Lendenlordosenhöhe so definieren, dass sie den Körpermaßen von mindestens 95 Perzentil der Menschen entsprechen. Leider gibt es zu den genormten Stühlen nur noch nicht die genormten Menschen. Der Mensch ist keine starre Maßeinheit, die man normieren kann. Es entspricht der anthropologischen Grundannahme, dass der Mensch ein Bewegungswesen ist.
Ein dem lebendigen Menschen dienlicher Stuhl muss ein Stück „Freiheit zur Bewegung“ bedeuten, und hier ist insbesondere die Freistellung des Beckens angesprochen. Die aktiv-dynamischen Mechanismen des Körpers im Sitzen können sich nur bei labilem Gleichgewicht des Beckens frei entfalten. Wir können uns nicht nur bewegen, wir müssen uns bewegen. Denn auf eines ist das Erfolgsmodell Homo sapiens gar nicht eingestellt: Bewegungsmangel und stundenlanges Sitzen mit Stilllegung des Beckens auf einer starren Sitzfläche.
Der „lebendige“ Mensch steht in einer Beziehung zu seinem Stuhl, der sein natürliches und damit gesundes Handeln unterstützt und nicht behindert. Mensch und Stuhl bilden eine Einheit. Die natürlichen und für den „Ganzen Menschen“ wichtigen rhythmische Be- und Entlastungswechsel werden nicht mehr gebremst, sondern gefördert – kontinuierlich und wirkungsvoll.
6. Was für Effekte auf den Körper bewirken Stühle, die verschiedene Sitzpositionen ermöglichen?
Der gesunde Organismus verfügt zu seinem Selbstschutz über ein hochsensibles Reflexsystem, welches ihn regelmäßig zu rhythmischen Be- und Entlastungen der an der Haltung beteiligten passiven und aktiven Systeme animiert. Der gleichmäßige und unbewusste Belastungswechsel zwischen Spielbein und Standbein bei einem frei stehenden Menschen macht dies deutlich.
Auch beim Sitzen sollte dieses wichtige dynamische Verhalten zum Tragen kommen. Solange die muskuläre Balance der Nacken-, Schulter- und Rumpfmuskulatur im Sitzen dynamisch gehalten wird, ist ein haltungsphysiologisches Sitzen gewährleistet. Die Gliederkette der Wirbelkörperreihe funktioniert im Sitzen nur bei labilem Gleichgewicht des Beckens.
Ein Stuhl mit einer sich dem Becken anpassbaren Sitzfläche bildet eine Einheit mit dem auf rhythmische Be- und Entlastungswechsel angewiesenen aktiven und passiven (Sitz-) Haltungssystem. Die natürlichen Bewegungsimpulse werden nicht mehr gebremst, sondern gefördert – kontinuierlich und wirkungsvoll. Dadurch werden
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die Wirbelsäulenschwingungen regelmäßig verändert,
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die Bandscheiben permanent mit Nährstoffen versorgt,
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die komplexen Rückenmuskeln stimuliert,
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die über 100 Gelenke an der Wirbelsäule in Bewegung gehalten
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die Blutzirkulation und damit Sauerstoffversorgung optimiert
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die Hirnstoffwechselprozesse und damit Aufmerksamkeit und Konzentration aufrechterhalten.
7. Welches sind die wichtigsten Sitzpositionen, die ein Arbeitsstuhl ermöglichen sollte?
Eine sich im Zuge sitzender Tätigkeiten den natürlichen Anforderungen anpassender Arbeitsstuhl unterstützt nicht nur das natürliche temporäre Bedürfnis nach Bewegung (rhythmischen Be- und Entlastungswechseln) sondern auch das entspannte Einnehmen einer hinteren, rückenentlastenden Ruhehaltung als auch das aktive und konzentrierte Arbeiten in der vorderen Sitzhaltung. Unter arbeitsmedizinisch-ergonomischem Aspekt ist gerade das Verhalten eines Stuhles in der vorderen Sitzposition von entscheidender Bedeutung, denn unsere Arbeitshaltung im Berufsalltag ist eben nicht überwiegend die entspannte Relaxposition. Da Körper und Geist immer als eine Einheit auftreten wird gerade bei konzentrierten Arbeitsinhalten der Körper in eine innere Anspannung versetzt, die sich in einer aktiven Körperhaltung ausdrückt. Finden diese Tätigkeiten zudem an einem Tisch statt, muss die aktive Vorwärtsbewegung des Oberkörpers durch eine sich vorwärtsneigende Sitzfläche begleitet werden. Dadurch wird das Becken hinten etwas angehoben und leicht nach vorn gedreht. Es entsteht der so genannte „Sitzkeileffekt“.
8. Stimmt es, dass die Bewegung beim Sitzen eine zentrale Rolle für unsere Gehirnfunktionen spielt? Und weiterführend für die Motivation beim Lernen?
Ein aktiv-dynamische Sitzen erfordert, dass die Füße und Beine unausweichlich in die Bewegung mit einbezogen werden. Dabei wird die Beindynamik einerseits maßgeblich durch die Mobilität/Flexibilität der Sitzfläche bestimmt, wenn beispielsweise unbewusste Körpergewichtsverlagerung auf dem Stuhl stattfinden. Andererseits wirkt sich auch jede unbewusste und in temporären Abständen notwendige Beinbewegung auf die Stuhldynamik und damit auf die Beckendynamik aus.
Die Aktivität der Beine ist besonders gut geeignet, den Kreislauf in Gang zu bringen. Der Rücktransport des Blutes zum Herzen wird hauptsächlich von den tief liegenden Venen erbracht. Sie sind mit Klappen ausgestattet, die das Blut am Rückfluss hindern und die Beförderung gegen die Schwerkraft ermöglichen. Nur im Zusammenspiel einer ständigen Spannung und Entspannung der benachbarten Beinmuskulatur kommt ihre Wirkung (Wadenpumpe) vollständig zur Geltung. Alle Organe, insbesondere auch das Gehirn, werden folglich besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Damit ist konzentriertes Arbeiten länger möglich.
9. Gibt es einige konkrete Grundsätze bezüglich der Gesundheit, die jeder beim Sitzen beachten sollte?
Unser Leben ist geprägt von Mobilität. Doch unser Körperverhalten besteht fast nur noch aus Sitzen: beim Frühstück, im Auto, im Büro, abends in der Kneipe . . . Folglich muss die Zauberformel eines gesunden Sitzverhaltens lauten: „Abwechslung und Bewegung“.
Ein guter ergonomischer Stuhl muss in der Höhe richtig eingestellt sein, das heißt, der Hüftwinkel muss > 90° betragen sowie ein Stück Freiheit zur Bewegung ermöglichen. Hier sind insbesondere die Freistellung des Beckens und ein damit einhergehender erweiterter Spielraum für die Beine angesprochen. Ab und an sollte auch mal dem Körper das „Lümmeln“ erlaubt werden. Auf jeden Fall zählt: So häufig wie möglich aufstehen und in Bewegung bleiben.
10. Können die richtigen Stühle dazu beitragen, dass Haltungsschäden bei Kindern vermieden werden, dass Rückenschmerzen im Allgemeinen vermieden werden?
Ergonomische Stühle werden für sich allein bei Kindern keine Haltungsschäden vermeiden können.
Ein ergonomischer „Arbeitsplatz“ für das Kind ist aber ein wichtiger präventiver Baustein, zumal Kinder heute durchschnittlich 10 Std. am Tag sitzend verbringen. Dauersitzen trifft sie zu einem Zeitpunkt, wo entscheidende und hoch sensible wachstumsbedingte Veränderungen ihre Reifung und Entwicklung prägen.
Haltungsschäden und anderen vielfältigen Entwicklungsauffälligkeiten wie Übergewicht oder mangelnde körperlicher Fitness wird am ehesten durch eine bewegte Lebensweise begegnet.
Auch gibt es in der wissenschaftlichen Literatur keine gesicherten Beweise dafür, dass durch herkömmliche Schulmöbel Wirbelsäulenschädigungen hervorgerufen werden. Das bedeutet aber nicht, dass durch unangepasste Schulmöbel sowie langes Sitzen nicht auch Beschwerden entstehen können. So zählt das Sitzen zu der am häufigsten auslösenden Ursache für Rücken- und den Kopfschmerzen. Aus diversen Studien ist bekannt, dass die meisten Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen während des Sitzens aufgetreten sind, vor allem wenn die Sitzdauer mehr als 30 Minuten betragen hat. Rückenschmerz ist aber nicht immer gleich auch Schädigung des Rückens, auch wenn eine gewisse Logik nicht von der Hand zu weisen ist, dass es gerade bei Kindern und Heranwachsenden im Zuge ihrer sensiblen und kritischen biologischen Ausdifferenzierungsphase zu Vorschädigungen kommen kann.
Man kann aber Schulmöbel nicht als allein ursächlich betrachten. Häufig treffen wohl mehrere ungünstige Faktoren zusammen, wenn Rücken- oder Kopfschmerzen entstehen. Mehrfach genannt werden z. B.:
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Alter, Gewicht, Körpergröße
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psycho-soziale Belastungen
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zu schwere Schulranzen
Dr. Dieter Breithecker
Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V.
Wiesbaden, Deutschland. www.bag-haltungundbewegung.de
Quelle: Variér